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Forschungsbericht]

Der Wert der Kunst in der Kultur des Semiokapitalismus

Projektbeschreibung:
Das Projekt untersucht die Auswirkungen der digitalen Revolution auf die spätbürgerliche Kultur. Der radikale Wandel der kulturellen Produktion, Distribution und Konsumtion der symbolischen Formen seit dem Auftauchen elektronischer Reproduktionstechniken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat auch die Kunstproduktion verändert. Ähnlich wie die avanciertesten Künstler und Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts die damals neuen Medien wie die Fotografie, Film oder Video- und Computertechnologien in ihre künstlerische Praktiken integriert hatten, eigenen sich die Künstler und Künstlerinnen heute digitale Medien wie Flatscreens, VR-Gadgets und Drohnen an oder transformieren die Bilderwelten des Internets mit traditionellen künstlerischen Medien wie der Malerei oder Fotografie. Als ein besonderer gesellschaftlicher Bereich der Kulturproduktion scheint die künstlerische Produktion die tiefgreifenden Transformationen der sogenannten Digitalisierung aber unbeschadet zu überstehen: Glaubten die Intellektuellen der Postmoderne noch an eine Auflösung der Differenz zwischen Kunst und Populärkultur, die sie als eine Form der radikalen Demokratisierung der bürgerlichen Kultur entweder enthusiastisch begrüßten, oder als Kulturverfall kritisierten, zeigt sich heute vielmehr eine deutliche Tendenz der Erhaltung und Stabilisierung dieser kulturellen Differenz. Das Ziel des vorliegenden Projekts besteht vor diesem Hintergrund darin, anhand einer historisch-genealogischen Analyse kanonischer kunst- und medientheoretischer Schriften zunächst das Verhältnis zwischen dem Auftauchen neuer, technologischer Medien und der künstlerischen Produktion im Sinne dieser Erhaltung der kulturellen Differenz zu untersuchen. Dabei zeigt sich das erst im historischen Rückblick sichtbar werdende Paradox, dass die neuen Medien zwar einerseits zu einer Abwertung bestimmter künstlerischer und kunsthandwerklicher Praktiken führen, andererseits aber durch neue künstlerische Strategien in den symbolischen Raum der bürgerlichen Kunst aufgenommen und kulturell valorisiert werden können. Auf der Grundlage dieser Untersuchung lässt sich mit Rückgriffen auf bereits existierende kunsttheoretische Wertbegriffe ein allgemeines Werterhaltungsgesetz der Kunst bestimmen. Die Bestimmung dieses Gesetzes soll im Weiteren klären, warum sich die künstlerische Produktion unter Bedingungen des sogenannten Semiokapitalismus (als herrschende Wirtschaftsform der digitalisierten westlichen Gesellschaft) nicht nur erhält, sondern zugleich auch eine Politisierung der künstlerischen Taktiken und Strategien verlangt.

Ansprechpartner: Dr. phil. Philipp Kleinmichel
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 30.08.2019
Projektende: 15.01.2022
Projektleitung:
Dr. phil. Philipp Kleinmichel

Zeppelin University Friedrichshafen
Lehrstuhl für Kunsttheorie & inszenatorische Praxis (eingerichtet 09/2003)

Am Seemooser Horn
88045 Friedrichshafen

Telefon: +49 7541 6009-1303
Fax: +49 7541 6009-1399
Email: karen.vandenberg@zu.de
www.zu.de/vandenberg
Projektbearbeitung
Dr. phil. Philipp Kleinmichel
Projektbezogene Publikationen:

  • Kleinmichel, Philipp: Yngve Holen – Die Realität des Begehrens, 2018 (Krisen der Realität. Eine Ringvorlesung zu Schlüsselwerken der Künste, Zep­pe­lin Uni­ver­si­tät): https://www.zu.de/veranstaltungen/2018/ringvorlesung_krisen_der_realitaet_februar_kleinmichel.php.
  • Kleinmichel, Philipp: Das Phantasma der Totalen Digitalen Präsenz, in: Dennis Rudolph – "... denn die Zeit ist Nahe" Boten der künstlichen Intelligenz. Begleitheft zur Ausstellung, Poolhaus-Blankenese, 2018; Jg. 2018: 17-18.

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