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Forschungsbericht]

Die Folgen des Schlafentzugs bei Jugendlichen: Kognitive, psychometrische und physiologische Effekte verschiedener Schlafprotokolle

Projektbeschreibung:
Zahlreiche Studien der letzten Jahre, die überwiegend bei Erwachsenen durchgeführt wurden, konnten zeigen, dass Lernleistungen vom Schlafverhalten abhängig sind. Insbesondere konnte belegt werden, dass die Konsolidierung des Gedächtnisses, d.h. das Einspeichern von Informationen aus dem Arbeitsgedächtnis in ein längerfristiges Gedächtnis davon abhängig ist, ob Versuchspersonen im Anschluss an Lernvorgänge geschlafen haben. Dabei scheint der Tiefschlaf mehr für das deklarative Gedächtnis, der so genannte REM-Schlaf (Traumschlaf) für prozedurale Lernvorgänge von entscheidender Bedeutung zu sein. Doch nicht nur das zentrale Nervensystem benötigt Schlaf, sondern auch endokrine Funktionen und das Immunsystem scheinen durch Schlaf beeinflusst. Schlafprobleme und Schlafmangel stehen im Verdacht Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zu erzeugen. Adipositas wird ebenso in diesem Zusammenhang diskutiert. Studien zum Schlafverhalten von Kindern und Jugendlichen haben ergeben, dass insbesondere in der Pubertät Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus auftreten und in Folge dessen bei der Mehrzahl der Jugendlichen ein Schlafmangelzustand besteht. Nicht systematisch untersucht wurde bislang die unbedingt erforderliche nächtliche Schlafdauer zur Aufrechterhaltung optimaler Bedingungen für Gedächtniskonsolidierungsprozesse und Tagesbefindlichkeit sowie physiologischer Funktionen. Es ist somit unklar, welches Maß an Schlafmangel Jugendliche vertragen bis sich die negativen Effekte kumulieren. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung sollen 85 Jugendliche im Alter von 14 - 16 Jahren an einer explorativen experimentellen Studie teilnehmen, in der die Auswirkungen von unterschiedlichen nächtlichen Schlafdauern auf Lernen, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Tagesmüdigkeit, Emotionen und physiologische Parameter, wie etwa. Hormon- und Immunsystem überprüft werden. Fünf Parallelgruppen von jeweils 17 gesunden Schülern schlafen nach einer Adaptationsnacht entweder fünf, sechs, sieben, acht oder neun Stunden über vier weitere Nächte. Dabei werden die Bedingungen möglichst konstant gehalten, d.h. die Probanden dürfen tagsüber nicht hinlegen, keinen Sport treiben und haben vorgeschriebene Bett -und Aufstehzeiten. An vier Messzeitpunkten wird eine neuropsychologische Testbatterie durchgeführt und die physiologischen Parameter werden erfasst. Außerdem bekommen die Schüler neues Wissen vermittelt: Zum einem im mathematischen Bereich an Hand von „Lernen durch Lösungsbeispiele“, was sich als eine effektive Lernmethode für Novizen bewährt hat, und auf sprachlicher Ebene durch ungarische Vokabeln- und Phrasen. Auch dabei soll festgestellt werden, ob sich das Lernen bei unterschiedlichen Schlafprotokollen unterscheidet. Vor dem Hintergrund der jüngsten Erkenntnisse über Schlaf und Lernen sowie der aktuellen Diskussion über Bildungsdefizite deutscher Schüler, Schulanfangszeiten und Optimierung der Lernbedingungen messen wir dieser Untersuchung eine hohe soziale und bildungspolitische Relevanz bei.

Ansprechpartner: Riemann D
Tel: 07612706919
Email: dieter.riemann@uniklinik-freiburg.de
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 2007
Projektende: 2007
Projektleitung:
Voderholzer U, Riemann D
Stellvertretung: Lössl B
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Kooperationspartner
Institut für Pädagogische Psychologie der Universität Freiburg, Prof. Dr. A. Renkl
Finanzierung:

  • BMBF

Schlagworte:

    Schlaf, Schlafdeprivation, kognitive Leistungsfähigkeit, Jugendliche

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