[Zurück zum
Forschungsbericht]

Der Einfluß einer experimentellen Serotoninverarmung durch Tryptophan-Depletion auf Schlaf, Befindlichkeit und Cortisolsekretion bei Patienten mit primären Insomnien und Zwangsstörungen.

Projektbeschreibung:
Der Tryptophandepletionstest stellt ein Untersuchungsinstrument dar, mit dem man die funktionellen Auswirkungen einer experimentellen Serotoninverarmung im ZNS messen kann. Nachdem zahlreiche Studien zeigen konnten, daß nach Tryptophandeple-tion Veränderungen der Befindlichkeit, z.T. vorübergehende depressive Verstimmungen auftraten, war es das Ziel der jetzigen Untersuchungen, den Einfluß von Tryptophan-Depletion auf den Schlaf zu messen. Insbesondere war von Interesse, ob durch Tryptophan-Depletion ähnliche schlafpolygraphische Veränderungen hervorgerufen werden können, wie sie bei Patienten mit Depression bekannt sind. Es wurden 16 Patienten mit einer primären Zwangsstörung eingeschlossen (4 Drop outs) sowie 21 Patienten mit einer primären Insomnie (6 Drop outs). Alle Patienten verbrachten 4 aufeinanderfolgende Nächte im Schlaflabor. Der Tryptophan-Depletionstest wurde um 18 Uhr am Abend vor der 4. Untersuchungsnacht in standardisierter Form durchgeführt. Die Speichelcortisol-Sekretion wurde mit Hilfe von Salivetten in 30minütigen Abständen nach Beginn des Tryptophan-Depletionstestes sowie am darauffolgenden Morgen gemessen. Die Befindlichkeit wurde mit standardisierten Fragebögen dokumentiert. Tryptophan-Depletion führte zu einer deutlichen Verschlechterung der Schlafkontinuität, die besonders ausgeprägt bei den Patienten mit Zwangsstörung war. Die Gesamtschlafzeit und die Schlafeffizienz erniedrigte sich, die Anzahl der Wach-perioden war erhöht. Der Anteil des REM-Schlafes sowie die REM-Latenz wurden nicht beeinflußt, dagegen kam es zu einem Anstieg der REM-Dichte. Diese Veränderungen nach Tryptophan-Depletion waren vergleichbar mit früheren Befunden bei gesunden Probanden, eine unterschiedliche Reaktion von Patienten mit Zwangsstörungen oder primären Insomnikern auf experimentelle Serotoninverarmung ließ sich nicht nachweisen. Signifikante Veränderungen der Befindlichkeit konnten mit Hilfe der Fragebögen nicht gefunden werden. Die Cortisolsekretion veränderte sich in den ersten 5 Stunden nach Tryptophan-Depletion nicht signifikant, war jedoch am darauffolgenden Morgen nach Tryptophan-Depletion niedriger als unter Ausgangsbedin-gungen 2 Tage vor den Testverfahren. Zusammenfassend zeigten die Studien, daß eine Abschwächung der zentralen seroto-nergen Neurotransmission mit einer deutlichen Verschlechterung des Schlafes und insbesondere eine Verminderung des NonREM-Schlafes verbunden ist, jedoch nicht zu depressionstypischen Veränderungen des Schlafprofils führt.
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 1996
Projektende: 1999
Projektleitung:
Voderholzer U, Riemann D, Hornyak M, Hohagen F

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Finanzierung:

  • Klinikmittel, Klinikum

Aktueller Forschungsbericht