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Forschungsbericht]

Untersuchungen zu kognitiven Schemata bei Depressiven.

Projektbeschreibung:
Zielsetzung: Für die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Erkrankungen sind nach Beck und Mitarbeiter negative kognitive Schemata von großer Bedeutung. Sie sollen bei den Patienten auch außerhalb einer depressiven Episode im Sinne von Vulnerabilitätsmarkern vorhanden sein. Andere Autoren betrachten diese negativen Schemata lediglich als eine Epi-Phänomen, da sie ausschließlich während einer depressiven Phase im Rahmen eines Stimmungskongruenzeffektes auftreten würden. Methodik: Im Hinblick auf diese divergenten Konzepte untersuchten wir 10 Patienten mit Major Depression und 10 gesunde Kontrollprobanden vor und nach Entzug des Nachtschlafes, der bei Depressiven in der Regel zu einer vorübergehenden Stimmungsaufhellung führt. Zur Erfassung von negativen bzw. positiven kognitiven Schemata wurden den Probanden auf einem Monitor Adjektive dargeboten, welche entwe-der eine positive oder eine negative Eigenschaft und entweder eine State- oder ein Trait-Item darstellen. Für diese Untersuchungen wurden ursprünglich von Hager und Mitarbeitern erstellte Adjektivlisten ergänzt und in einer Vorstudie auf Reliabilität und Validität überprüft. Bei Erscheinen eines Adjektivs auf dem Monitor hatte der Proband durch Betätigen einer von 7 codierten Tasten anzugeben, wie stark dieses Adjektiv momentan auf ihn zutrifft. Ergebnisse: Es zeigte sich, daß die depressiven Patienten gegenüber den Kontrollprobanden mehr negative und weniger positive Adjektive zur Selbstbeschreibung nutzten und daß dieses Antwortmuster sich bei den Depressiven auch unter Stimmungsaufhellung nach Schlafentzug nicht änderte. Die Reaktionszeit für die Betätigung der kodierten Taste war bei den Depressiven für die als positiv eingeschätzten Adjektive länger als für die negativen, ein gegensätzliches Befundmuster fand sich bei den Kontrollprobanden. Nach Schlafentzug wurden negative wie positive Selbstschemata-Items von den Depressiven mit gleicher Geschwindigkeit verarbeitet. Insgesamt weisen die Befunde darauf hin, daß bei Depressiven ein die einzelnen depressiven Episoden überdauerndes negatives Selbstkonzept besteht, das teilweise durch die gestörte Rekrutierung positiver Selbstschemata bedingt wird. Dieser Anteil kann durch passagere Stimmungsveränderungen alteriert werden.
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 1995
Projektende: 1997
Projektleitung:
Olbrich H, Riemann D

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
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Finanzierung:

  • Landesschwerpunkt Neuropsychologie/Neurolinguistik, Land

Projektbezogene Publikationen:


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