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Forschungsbericht]

Kognitive Verhaltenstherapie bei primären und psychiatrischen Insomnien.

Projektbeschreibung:
Zielsetzung: Ein- und Durchschlafstörungen gehören mit einer Prävalenz von ca. 20% zu den häufigen Störungen, die oftmals chronisch werden. Während ursprünglich eine belastende Lebenssituation zu einer akuten Insomnie führt, sind in der Regel verschiedene Faktoren an der Aufrechterhaltung und Chronifizierung der Insomnie beteiligt. Dazu zählen insbesondere das Lenken der Aufmerksamkeit auf den Schlaf, das willentliche Erzwingenwollen des Schlafes, schlafbezogene negative Kognitionen, Emotionen wie Angst und Ärger bezüglich der Schlafstörung und schlafstörende Verhaltensweisen, wie z.B. Ausdehnung der Bettzeit. Methodik: An der Freiburger Uniklinik wurde ein Kurzzeittherapieprogramm konzipiert und evaluiert, welches mit verschiedenen psychotherapeutischen Elementen an den aufrechterhaltenden Faktoren ansetzt. Therapieprogramm: Das Therapieprogramm beinhaltet Muskelentspannung, gedankliche Entspannung, Regeln für einen gesunden Schlaf (Schlaf-Wach-Rhythmus-Strukturierung, Stimuluskontrolle, Schlafhygiene), Gedankenstopp und kognitives Umstrukturieren. Die Therapie findet in Gruppen von 4-8 Teilnehmern statt und erstreckt sich über 6 Sitzungen. Stichprobe: Die Stichprobe umfaßt 20 Patienten (13 Frauen) mit primärer Insomnie mit einem Durchschnittsalter von 43,0 Jahren +- 12,2 und einer mittleren Störungsdauer der Insomnie von 10,7 Jahren +- 10,6 sowie 17 Patienten (13 Frauen) mit Insomnie im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung nach DSM-III-R. Das mittlere Alter der Patienten mit Insomnie im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung lag bei 50,4 Jahren +-9,8, die mittlere Störungsdauer der Insomnie betrug 13,9 Jahre +- 14,2. Ergebnisse: Für die Patienten mit primärer Insomnie ergaben sich in allen erhobenen Schlafparametern (Pittsburgher Schlafquali-tätsindex) signifikante Verbesserungen im Rahmen der Therapie, die über die 3- und 12 Monats-Katamnesen stabil blieben. Die Schlafdauer verlängerte sich von 297,7 (+-108) Min. (Prätherapie) auf 351,0 (+-54,2) Min. (Posttherapie) und 379,0 (+-57,7) Min. in der Jahreskatamnese. Die erhobenen Depressions- und Angstscores (BDI, STAI-TRAIT) verringerten sich ebenfalls. Für die Patienten mit Insomnie im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung ergaben sich nur für eine Variable (Fokussieren auf die Schlafstörung) signifikante Verbesserungen. Diskussion: Eine kognitv-behaviorale Kurzzeittherapie gewährleistet für Patienten mit psychophysiologischer / primärer Insomnie eine sehr effektive Behandlung, während Patienten mit Insomnie im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung durch das Kurzzeitprogramm bezüglich ihrer Schlafprobleme nicht statistisch bedeutsam profitieren.
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 1995
Projektende: 1997
Projektleitung:
Riemann D

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Zentrum für Psychische Erkrankungen (Department)
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Hauptstrasse 5
79104 Freiburg

Telefon: +49 / 761 / 270-6501 / -6502
Fax: +49 / 761 / 270-6619
http://www.uniklinik-freiburg.de/psych/live/
Finanzierung:

  • Klinikmittel, Klinikum

Projektbezogene Publikationen:

  • Backhaus J, Riemann D: Verhaltenstherapeutische und kognitive Intervention bei primärer Insomnie. Nervenheilkunde, 1998; 17: 248-253.
  • Riemann D, Backhaus J, Berger M: Chronische Insomnie - ein therapierbares Störungsbild? Neurodate, 1998; 12: 49-53.
  • Riemann D, Backhaus J, Schramm E: Kognitive Verhaltenstherapie der Schlafstörungen. In: Hautzinger M (Hrsg.): Kognitive Verhaltenstherapie bei psychischen Störungen.2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Beltz PVU, 1998; 303-330.
  • Backhaus J: Schlafhygiene. In: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Schulz H (Hrsg.): Kompendium Schlafmedizin für Ausbildung, Klinik und Praxis. ecomed, 1997.
  • Backhaus J, Voderholzer U, Hohagen F, Riemann D: Kurzzeitverhaltenstherapie in Gruppen bei Patienten mit psychophysiologischer Insomnie. In: Mundt C, Linden M, Barnett W (Hrsg.): Psychotherapie in der Psychiatrie. Springer, 1997; 287-292.
  • Riemann D, Dressing H: Schlafstörungen. In: Förstl H (Hrsg.): Lehrbuch der Gerontopsychiatrie. Ferdinand Enke Verlag, 1997; 439-452.
  • Backhaus J, Riemann D: Schlafstörungen bewältigen. Informationen und Anleitung zur Selbsthilfe.Beltz Psychologie Verlagsunion, 1996.
  • Riemann D, Backhaus J, Hrsg.: Behandlung von Schlafstörungen. Ein psychologisches Gruppenprogramm.Beltz Psychologie Verlagsunion, 1996.
  • Riemann D, Backhaus J, Schramm E, Hohagen F: Ein Modell zur Genese primärer psychophysiologischer Insomnien. In: Riemann D, Backhaus J (Hrsg.): Behandlung von Schlafstörungen. Ein psychologisches Gruppenprogramm. Beltz Psychologie Verlagsunion, 1996; 21-24.
  • Riemann D, Voderholzer U, Backhaus J, Hornyak M, Kiemen A, Venegas M, Hohagen F: Medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung von Schlafstörungen. Psycho, 1996; 22: 638-644.

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