[Zurück zum
Forschungsbericht]

Langzeitbeobachtungen zur Populationsdynamik des Halsbandlemmings in NO Grönland (Karupelv Valley Project)

Projektbeschreibung:
Die Ursachen der Populationszyklen von Kleinsäugern gelten nach wie vor als wichtige, noch ungelöste ökologische Frage. Dies ist nun auch Gegenstand des seit 1988 am Institut für Landespflege angesiedelte Langzeitvorhabens "Karupelv Valley Project", dessen Ziel es ist, solche Populationszyklen an Lemmingen zu untersuchen. Da einfache Systeme am besten geeignet sind, um neue Einblicke zu gewinnen, wurde für dieses Projekt ein Untersuchungsgebiet in Nordost Grönland ausgewiesen. Das Karupelv Tal (72°30' N - 24 ° W) ist Bestandteil der High Arctic Tundra und zeichnet sich durch eine einfach strukturierte Tiergemeinschaft aus. Bei dem hier gewählten Ansatz wird versucht, neben der Populationsdynamik der Lemminge auch gleichzeitig Informationen über die von den Lemmingen abhängigen Raubfeinde zu gewinnen. Modellen zufolge spielen zeitverzögerte Prozesse eine wichtige Rolle beim Zustandekommen von Zyklen. Daher wird hier auch ein besonderes Augenmerk auf die numerische Reaktion der auf die Lemminge ganzjährig angewiesenen Hermeline gelegt. Die Dynamik der Lemming-Population wird anhand der Winternester auf einer Fläche von 1000 ha ermittelt. Durch diese Methode können gleichzeitig auch Daten über die Hermeline gewonnen werden, welche diese Nester in der bis zu 9 Monate dauernde Winterzeit besetzen. Die bisherigen Beobachtungen unterstreichen den zyklischen Charakter der untersuchten Lemming-Population, mit spektakulären Populationsausbrüchen in Abständen von 4 Jahren. Auffallend ist dabei auch die verzögerte dichteabhängige Reaktion der Hermeline, was die Hypothese einer Schlüsselrolle spezialisierter Räuber beim Zustandekommen von Zyklen untermauert. Weil solche Prozesse bei Musteliden allgemein extrem schwer zu dokumentieren sind, kommt der Fortsetzung dieser Beobachtungen große Bedeutung zu, um festzustellen ob diese Reaktion die Regel ist. Aber auch der Einfluß der anderen Raubfeinde, die meist nur im Sommer in das System eingreifen (Schnee-Eulen, Raubmöwen, usw.), verdient Aufmerksamkeit. Solche Beobachtungen sind Gegenstand parallel laufender Untersuchungen (Dissertation O.Gilg) die im Rahmen einer Kooperation mit den Universitäten Helsinki (Prof. Hanski) und der Universität Montpellier (Prof. Delattre) erfolgen. Ferner besteht auch eine sehr enge Kooperation mit dem Danish Polar Center (Copenhagen). Durch das von diesem Zenter in der Station Zackenberg im Jahr 1995 eingerichte Monitoring der Lemming-Population können nun Vergleiche innerhalb von NO Grönland gezogen werden.

Weitere Informationen: http://www.landespflege-freiburg.de/forschung/lemming.html
Ansprechpartner: Dr. Benoît Sittler
Tel: 0761/203-3629
Email: benoit.sittler@landespflege.uni-freiburg.de
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 01.07.1988
Projektende: (unbegrenzt)
Projektleitung:
Dr. Benoît Sittler

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Kooperationspartner
DFG, Wissenschaftliche Gesellschaft Freiburg, Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz, Finanzierungspool Universität Freiburg, Sponsoren
Aktueller Forschungsbericht