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Forschungsbericht]

Kohlenstoffspeicherung in einem ungenutzten Kalkbuchenwald des Nationalparks Hainich - Differenzierung der Quellen- und Senkenfunktion des Bodens unter Berücksichtigung der Nutzungsgeschichte

Projektbeschreibung:
Im Rahmen des CARBOEUROFLUX-Projekts wurden im Hainich (Thüringen) Kohlenstoff (C)- Speicherungsraten festgestellt, die der Vorstellung der Kohlendioxid-Neutralität von alten Wäldern widersprechen und die Frage nach deren Kyoto-Relevanz aufwerfen. Im Rahmen europäischer Projekte lässt sich allerdings nicht klären, wie diese hohen Speicherraten entstehen und wo C im System verbleibt. Wir vermuten, dass durch historischen C-Export, z.B. infolge von Streunutzung, die Böden im Hainich verarmten und die entleerten Speicher jetzt wieder aufgefüllt werden. Um das Ausmaß des nutzungsbedingten C-Exports abschätzen zu können, werden aus Schriftquellen Art und Umfang der Biomassenutzung in ihrer zeitlichen und örtlichen Entwicklung rekonstruiert. Zudem untersuchen wir, welche Anteile des C-Eintrages veratmet, gespeichert und über den Wasserpfad exportiert werden. Hierzu werden 13C und 14C- Isotopenverhältnisse an Bodengasen sowie gelöstem und festem Boden- C bestimmt. Unsere Untersuchungen zielen auf ein grundlegendes Verständnis der C-Speicherung im Jahresverlauf ab. Die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum „Dynamik Komplexer Geosysteme“ und dem europäischen CARBOEUROPE Cluster wird die Doppelerhebung von Daten verhindern und deren gegenseitige Verfügbarkeit sicherstellen. Ziel der Arbeit ist es, den historischen Kohlenstoffexport insbesondere unter Berücksichtigung der forstlichen Nebennutzung abzuschätzen. Hierzu soll anhand von Literaturdaten einerseits die Vegetationsgeschichte geklärt werden. Andererseits soll der im Untersuchungsgebiet im Zuge der forstlichen und landwirtschaftlichen Nutzungen erfolgte Biomasseentzug nach Art und Umfang dokumentiert werden. Diese Arbeiten sind notwendig, um den Einfluss der Nutzungsgeschichte auf die Kohlenstoffspeicherung im Untersuchungsstandort abzuschätzen. Im Rahmen des Gesamtprojektes sollen zunächst Daten zur Entwicklung der Biomasse im Untersuchungsgebiet zusammengestellt werden. Eine weitere Aufgabe besteht darin, auf der Basis von Literaturstudien einen möglichen Vergleichsstandort mit unterschiedlicher Nutzungsgeschichte zu identifizieren. Zur Abschätzung der historischen nutzungsbedingten C-Entnahmen sind zunächst Materialrechnungen von Interesse. Unsere Anfragen, welche wir an die für das Untersuchungsgebiet zuständigen staatlichen, kommunalen und kirchlichen Archive richteten, haben ergeben, dass sich namentlich im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar ein bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückreichender, reichhaltiger forsthistorischer Bestand befindet. Für die einstigen preußischen Gebietsanteile konnten Bestände im Staatsarchiv Gotha sowie im Landeshauptarchiv Magdeburg (Außenstelle Wernigerode) ermittelt werden, während das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem mit seiner vor allem die Zentralbehörden betreffenden Aktenüberlieferung keine größere Bedeutung für unsere Fragestellung haben wird. Für den kommunalen Waldbesitz im Hainich kommt vor allem das Stadtarchiv Mühlhausen in Betracht. Auf der Ebene der Forstämter scheinen sich dagegen relevante (Alt-)Registraturen nicht erhalten zu haben. Für die Recherche und Inhaltsanalyse relevanter Akten kommen demnach vor allem folgende Archive und Behördenregistraturen in Frage: * Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar * Staatsarchiv Gotha * Landeshauptarchiv Magdeburg/Wernigerode * Stadtarchiv Mühlhausen Ergänzend werden chronikalische Quellen und Druckschriften zur historischen Landeskunde der Hainich-Region heranzuziehen sein. Anstelle der Forstrechnungen finden sich für die Zeit vor 1800 häufig auch im Rahmen von Forstbeschreibungen qualitative und teilweise auch quantitative Angaben zur Forstnutzung.

Ansprechpartner: Matthias Hammer
Tel: 0761/203-3823
Email: matthias.hammer@ifp.uni-freiburg.de
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 01.12.2004
Projektende: 30.11.2007
Projektleitung:
Matthias Hammer

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Finanzierung:

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG

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