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Forschungsbericht]

Binding und Abruf von Kontrollzuständen

Projektbeschreibung:
Wie schaffen es Menschen sich gegenüber Störreizen abzuschirmen und sich auf die Erreichung eines aktuellen Ziels zu konzentrieren? Verändern wir unser Verhalten dynamisch, um uns an solche fordernden Situationen anzupassen oder rufen wir aus dem Gedächtnis vorangegangene Instanzen ab, in denen wir eine solche Aufgabe bereits erfolgreich gelöst haben? Psychologische Theorien haben Handlungskontrolle oft als langsame und mühevolle Top-down Verarbeitung charakterisiert. Im Gegensatz dazu nehmen andere Ansätze an, dass routiniertes Verhalten am besten durch Bottom-up Gedächtnisprozesse erklärt werden kann, die Reize und Reaktionen kurzfristig aneinander binden und einen anschließend Abruf ermöglichen. Obwohl ein solches Binding ein an sich simpler Prozess ist, hat es sich als sehr erfolgreiches Erklärungsmodell für eine Reihe an Phänomene erwiesen, die zuvor als Top-down beschrieben wurden. Sicher das prominenteste Beispiel für Top-down Verarbeitung ist kognitive Kontrolle. In den letzten Jahren hat die Forschung hierzu diskutiert, ob kognitive Kontrolle und im Besonderen der Gratton-Effekt besser als Top-down oder Bottom-up Phänomen erklärt werden kann. Der Gratton-Effekt beschriebt die Beobachtung, dass nach dem vorherigen Erleben von Konflikt zwischen widerstrebenden Handlungstendenzen, zukünftiges Verhalten optimiert wird, z.B. indem irrelevante Information besser abschirmt werden kann. Dieser Effekt ist von besonderem Interesse, da er in der Vergangenheit als eine Art Lackmustest für empirische und theoretische Arbeiten zu kognitiver Kontrolle diente. In einem aktuellen Vorstoß um diese Debatte aufzulösen, wurde vorgeschlagen, dass Gedächtnisinstanzen keineswegs nur auf Stimulus und Antwort begrenzt sein müssen, sondern das auch abstraktere Kontrollzustände gelernt werden könnten. Solche Kontrollzustände können als eine mentale Repräsentation von Kontrollparametern beschrieben werden, die selektive Aufmerksamkeit steuern. Zum Beispiel nehmen konnektionistische Modelle, wie das Conflict Monitoring Modell an, dass Kontrollparameter als eine Veränderung von Gewichten zwischen Netzwerkknoten verstanden werden könnten. Kontrollzustände könnten sich solche Veränderungen in Aufmerksamkeitsdynamiken ´merken´ damit sie unter gegeben Umständen wieder aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Solche Kontrollzustände sind dahingehend als abstrakt zu verstehen, als das sie sich nicht auf konkrete physikalische Merkmale wie Stimulus oder Antwort beziehen, sondern auf mentale Zustände. Obwohl diese Annahmen weitreichende theoretische Implikationen hätten, ist Evidenz für transiente Gedächtnisbindungen von Kontrollzuständen bisher begrenzt. Deshalb soll in diesem Projekt die Annahme von Kontrollzuständen genauer untersucht werden. Dafür fragen wir, wie Kontrollzustände gelernt werden und wie ein anschließender Abruf aus dem Gedächtnis funktioniert.

Ansprechpartner: Dignath, D.
Email: dignath@psychologie.uni-freiburg.de
Projektlaufzeit:
Projektbeginn: 01.09.2019
Projektende: 31.08.2022
Projektleitung:
Dignath, D., Kiesel, A.

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Kooperationspartner
Frings, C., Uni Trier
Finanzierung:

  • DFG FOR 2790, DFG

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